Performances Safari Deutschland
Stephan Reusse – Safari
Mit den Safari-Arbeiten entwickelte Stephan Reusse Anfang der 1980er-Jahre eine eigenständige Position an der Schnittstelle von Fotografie, Performance und Konzeptkunst. Ausgangspunkt ist die scheinbar einfache Geste des fotografischen „Jagens“. Doch an die Stelle der dokumentarischen Aneignung tritt eine Reflexion über das Medium selbst. Nicht das fotografierte Tier, sondern der Prozess seiner Sichtbarmachung wird zum eigentlichen Gegenstand der Arbeit.
Die großformatigen Fotografien entstehen nicht allein durch den Auslöser der Kamera, sondern erst in einem performativen chemischen Entwicklungsprozess. Das Bild wird öffentlich freigelegt, geschrubbt, gewaschen und gleichsam körperlich hervorgebracht. Fotografie erscheint hier nicht als fertiges Abbild, sondern als zeitliches Ereignis, in dem Material, Handlung und Bild untrennbar miteinander verbunden sind.
Die späteren Installationen der Giraffenbilder führen diesen Gedanken konsequent weiter. Auf einer Transportpalette präsentiert, oszilliert das fotografische Bild zwischen Objekt, Spur und Relikt. Die Giraffe wird nicht zur Trophäe einer Safari, sondern zum Träger einer Reflexion über Wahrnehmung, Aneignung und die Materialität des Bildes selbst. Der Bildträger verweist zugleich auf Transport, Archivierung und Musealisierung und erweitert die Fotografie in den Raum.
Rückblickend lassen sich diese Arbeiten als frühe Beispiele einer erweiterten fotografischen Praxis lesen. Lange bevor Begriffe wie Expanded Photography oder postmediale Fotografie Eingang in den kunsttheoretischen Diskurs fanden, verstand Reusse das fotografische Bild bereits als Prozess, als performative Handlung und als Ort der Kommunikation zwischen Körper, Material und Zeit. In diesem Sinne bilden die Safari-Arbeiten nicht nur einen eigenständigen Werkkomplex, sondern zugleich die konzeptuelle Grundlage für die späteren Collaborations, in denen sich der Fokus von der Materialität des Bildes auf die Materialität menschlicher Begegnung verschiebt.