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PRESSEMITTEILUNG

Stephan Reusse – Collaborations
Galerie Parrotta Contemporary Art | 7. Februar – 28. März 2026

Die Galerie Parrotta Contemporary Art zeigt ab dem 7. Februar bis zum 28. März 2026 Arbeiten des Fotografen und Medienkünstlers Stephan Reusse parallel an ihren Standorten in Köln und Bonn. Die zweiteilige Ausstellung stellt dabei zwei zentrale Werklinien seines umfangreichen Schaffens in den Fokus: die konzeptuelle Porträtserie Collaborations in Köln und die thermografischen Arbeiten in Bonn. Beide Werkgruppen sind Teil eines multimedialen Œuvres, das seit Jahrzehnten an den Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen fotografischer Bildproduktion arbeitet.

Sein Interesse gilt der Fotografie nicht nur als Abbild, sondern als technisches und zugleich psycho-soziales Verfahren, das Übergänge vom Unsichtbaren zum Sichtbaren, vom Anwesenden zum Abwesenden und vice versa schafft. Die performative Dimension kehrt Stephan Reusse nicht nur vor der Kamera beim Porträtieren heraus, sondern zuweilen auch im Entwicklungsprozess der Fotografie selbst. Hierzu betrat er zu Beginn der 80er Jahre selbst internationale Bühnen der Performance Art. Lebensgroße Fotografien von Elefanten oder Giraffen, die im Zuge seiner „Deutschland-Safari“ entstanden und in einem komplizierten chemischen Verfahren wieder zum Verschwinden gebracht wurden, ließ Stephan Reusse, auf einer langen Leiter mit einem Eimer stehend, durch das Auswaschen mit Hilfe eines Besens vor dem Publikum wieder sichtbar werden. Die „Magie“ des analogen fototechnischen Verfahrens wir hier nicht ohne Ironie in Limbo zwischen Zootierpflege und Zaubershow  inszeniert. Eines der frühen Porträts aus der Werkgruppe der Collaborations entstand gemeinsam mit Joseph Beuys. Im Einklang mit dessen eigenem Verständnis der rituellen und transformativen Dimension des Materials entwickelte Stephan Reusse das Porträt von Joseph Beuys durch Verwendung dessen eigenen Urins. In den Collaborations entwickelt sich die gemeinsame Arbeit am Porträt situativ und im Austausch mit den Porträtierten, die sich in gezielter Selbstinszenierung, aber auch durch künstlerische materielle Zutaten, etwa durch Acrylfarbe im Falle von Leon Golub oder Blut im Falle von Herman Nitsch selbst einbringen. So wird die Fotografie zu einem Medium der Begegnung, der Spurensuche und der Reflexion über Präsenz, Identität und Autorschaft. John Baldessari, dessen Schüler Stephan Reusse zeitweise war, setzt den Punkt – sein Markenzeichen – auf das eigene Gesicht, um den Blick vom Abgebildeten auf den Akt des Sehens selbst zu richten. Wenn sich Stephan Reusse Baldessaris Scharfsinn, seiner Ironie und dem Crossover verschiedener Disziplinen sicherlich in besonderem Maße verbunden fühlt, so scheint er doch jedem Künstler und jeder Künstlerin mit einem tiefen Verständnis des jeweiligen Schaffens und einer großen Offenheit und gleichzeitigen Zurückhaltung zu begegnen. Um solchermaßen charakteristische Porträts als präzise Bedeutungsräume sich entwickeln zu lassen, tritt Stephan Reusse in einen kommunikativen Prozesses, der sich fotografisch manifestiert und in dem die Kamera selbst der Katalysator ist.

Seine Bilder verhandeln dabei stets auch Fragen von Erinnerung und Zeitlichkeit. Insbesondere seine thermografischen Arbeiten bedienen sich die Fotografie als Medium der Spur. Mithilfe von Wärmebildtechnik erfasst Stephan Reusse Zustände, die normalerweise unsichtbar bleiben, und verschiebt den Blick vom Abbild hin zu energetischen Erscheinungen zwischen Darstellung und Abstraktion. Die Serie „Wolves“ zeigt freilebende Wölfe nicht als klassische Tierporträts, sondern als geisterhafte Lichtphänomene. Die Präsenz dieser scheuen nachtaktiven Tiere ist unserem Sehsinn und damit auch der Fotografie für gewöhnlich nicht zugänglich. Wenn die „Entkörperlichung“, die mit der Fotografie einhergeht, durch die Nutzung der Wärmebildtechnik auch nicht aufgehoben werden kann, so kann sie durch diesen sinnlichen Perspektivwechsel doch gewissermaßen unscharf konturiert werden. Das Verfahren der Wärmebildtechnik ermöglicht durch die Aufnahme von Nachbildern einen Blick in die Vergangenheit, etwa, wenn Stephan Reusse in der Werkgruppe der „Chairs“ die An-bzw. Abwesenheit von Menschen im Raum im Verblassen seriell festhält. Eine explizite Auseinandersetzung mit der Malerei findet auch in der Werkgruppe „Rothko.0“ statt. Wenn Stephan Reusse Gemälde von Marc Rothko in Abwesenheit auf der Museumswand fotografiert, hält er die unterschiedlichen Temperaturen hinter dem abgenommenen Gemälde als Spur fest, während sie sic verflüchtigen. Dass diese so entstandenen Wärmebilder eine scheinbar malerische Farbgestaltung à la Rothko annehmen, ist ebenso augenzwinkernd konstatiert wie die Aufnahme von Flatulenzen im Raum. Diese Arbeiten eröffnen eine Wahrnehmungsdimension zwischen Materiellem und Immateriellem, Gegenständlichem und Atmosphärischem. Hinter der malerisch erscheinenden Oberfläche der Fotografie steckt jedoch auch im Falle der Thermobilder ein kommunikativer und performativer Prozess, der auf Collaboration setzt.    Birgit Kulmer

 

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