Kölner Rundschau 26. Februar 2026
Von Thomas Linden
Zusammenarbeit mit Künstlern
Galerie Parrotta zeigt Porträts des Medienkünstlers
Stephan Reusse unter dem Titel „Collaborations“
Während der Starkult unserer Tage die Künstler hinter verschlossene Türen verbannt hat, gab es in den 1980er Jahren einen regen Austausch innerhalb der Szene. In jener Zeit befand sich der in Köln lebende Medienkünstler Stephan Reusse zwischen Westdeutschland und den USA in einem engen Dialog mit den prägenden Persönlichkeiten des Kunstbetriebs.
Jedes seiner 80 Porträts, von denen jetzt ausgewählte Werke bei Parrotta Contemporary Art zu sehen sind, enthält das einmalige Erlebnis einer Begegnung. „Collaborations“ lautet der Titel, denn die Arbeiten entstanden immer in Zusammenarbeit mit den porträtierten Künstlern.
Zugleich entdeckte Stephan Reusse damals die Möglichkeit, eine Fotografie mit chemischen Mitteln verschwinden zu lassen. Es ergibt sich dann eine weiße Fläche, aus der das Bild dann herausgewaschen werden kann. Auf diese Weise entstand etwa in der gemeinsamen Arbeit mit Paul Thek 1987/88 das letzte Porträt des Amerikaners vor seinem Tod.
3 Jahre zuvor wusch Anna Oppermann eine Arbeit mit Stephan Reusse aus, in der Malerei und Schriften von ihr enthalten sind. So rundete sich in jeder der Arbeiten ein Kosmos, in dem außer dem Antlitz der Künstler die Handschrift ihres Werkes enthalten ist. Der Aktionskünstler kippte selbst rote Farbe , die an das Schweineblut seiner Aktionen erinnert, über sein Porträt.
Die Amerikanerin Nancy Spero – Ikone des Feminismus – druckte auf ihr auf Leinen belichtet und entwickeltes Porträt eine antikisierte Frauengestalt, die ihren Bizeps zeigt.

Stephan Reusse erinnert sich noch gerne an die Begegnungen mit dem Konzeptkünstler Lawrence Weiner in New York. „Wir haben viel gelacht“ erzählt er und dabei ergab sich in dem Gespräch über Lawrence Weiners Toilette, die wie ein Hochbett im Raum schwebte , der Text auf Weiners Porträt.
Nach einem Abend in der Kölner Szenekneipe „Hotel Timp“ fotografierte Stephan Reusse 2003 in bestechend farbigen Realismus Udo Kier flankiert von Sherry Lee und Angie, zwei Travestiekünstlerinnen.
Den monetären Erfolg von Jeff Koons ahnte Reusse schon 1989 voraus, so dass er Koons aufforderte, die Gestik eines Melonenverkäufers einzunehmen.
Die wunderbare Ironie dieser Kompositionen, die dem Porträt Genre eine neue Spielart eröffnen, bringt die Sympathie für die Künstler und ihre Werke zum Ausdruck.
In diesen Werken wird die Wärme der gut gelaunten Gespräche spürbar, die man über die Kunst führte, während fast beiläufig der Auslöser gedrückt wird.