stephan reusse
In Buch „die Kunst der Abstrakten Fotografie“
Stephan Reusse - Thermovisionen
Von Prof. Gottfried Jäger


Seine »Thermovisionen« bilden im fotografischen Oeuvre von Stephan Reusse einen der drei kontinuierlich erweiterten Werkblöcke - neben den »Pissflowers« und den »Collaborations«. Die frühesten »Thermovisionen« stammen noch aus Reusses Studienzeit zu Beginn der achtziger Jahre. Anfangs wurden die Motive in Schwarz/Weiss abgezogen. Ab 1986 gibt es dann nur noch Cibachrome-Prints in Formaten um 180 x 220 cm.
Im Entstehungsprozess der »Thermovisionen« verbinden sich Fotografie und Thermographie. Die Thermographie ist ein der Fotografie analoges Verfahren. Während die Kamera Lichtwellen aufzeichnet, bildet der Thermograph Wärmedifferenzen ab. Das Gerät besteht aus einem Wärmesensor mit angeschlossenem Rechner. Der wandelt die Daten des Sensors in ein Sehbild um, das man auf dem Bildschirm des Rechners betrachten kann.
Dieses Bildschirmbild fotografiert Reusse mit einer Kamera ab, um ein Negativ zu erhalten, von dem er seine Cibachromes herstellen lassen kann. Formen mit niedrigen Temperaturen erscheinen auf dem Bildschirm des Thermographen in bläulichen Farben, hohe in Farbtönen zwischen Orange zu Weiss. Damit der Thermograph etwas abbildet, muß ein Objekt nicht unbedingt anwesend sein. Es reicht, wenn es eine Wärme-Aura hinterlassen hat. Und das gilt auch für vornherein unsichtbare Phänomene wie die Atemluft oder einen Furz.
Fotohistoriker werden einen Gutteil der »Thermovisionen« deshalb zur Gattung der »Phantombilder« rechnen. Während Kunsthistoriker sie vermutlich im Kontext der »Spurensicherung« ansiedeln dürften.