stephan reusse
Vom Urknall zur Aura, kleiner Versuch zur Thermovision
Von Wolfgang Hahn


Der Mensch hat eine Reihe von Geräten erfunden, mit denen er Phänomene registriert, die sich seinen Sinnen entziehen. Unhörbares wird hörbar, Unsichtbares sichtbar. Das Prinzip all dieser Geräte besteht in der Übersetzung der Erscheinungen in die Empfangsbereiche unser Sinnesorgane. Dabei ist es kein grundsätzliches Problem, Informationen eines Empfangsbereiches für einen anderen Bereich aufzuarbeiten. Grundlage hierfür ist die Erkenntnis, das die gesamte Welt nichts anderes als Energie ist, die ständig ihre Erscheinungsformen ändert. Damit sind wir beim Urknall und nicht mehr weit von Reusses „Thermovision“ entfernt.
Reusse benutzt ein Gerät, das Wärme registrieren kann und das weitaus empfindlicher ist, als der menschliche Tastsinn, der uns Temperaturen empfinden läßt. Der Trick bei der Sache ist, daß die Wärmestrahlung in optimale optische Signale umgewandelt wird. Das Gerät hilft uns zu sehen, was wir nicht fühlen.
Wärme hat die Tendenz, sich zu verlieren, also auszugleichen. Ein warmer Körper wird in einer kalten Umgebung zur Wärmequelle. Dabei strahlt die Wärme in alle Richtungen und umhüllt den Körper wie eine Aura. Übersetzt man diese Wärmestrahlung ins Sichtbare, erhält sie die Gestalt einer Wolke, eines dreidimensionalen Schleiers, der sich für kurze Zeit auch dann erhält, wenn die Wärmequelle sich bereits entfernt hat. Wir sehen, was wir nicht gefühlt haben. Reusses Arbeiten zur „Thermovision“ erinnern an Fotos vom Nordlicht, einem Phänomen, das wir rational erklären und dem wir emotional begegnen. Wir erliegen der Magie einer Erscheinung jenseits unserer Erfahrung.